Lange konnten Waren bis 150 Euro zollfrei in die EU kommen. Davon profitierten vor allem Plattformen, die Millionen Einzelpakete direkt aus Asien versenden. Mit der neuen Abgabe ändert sich die Rechnung – wenn auch weniger dramatisch, als manche Schlagzeile vermuten lässt.
Was genau gilt
Laut Europäischer Kommission gilt seit dem 1. Juli 2026 ein vorübergehender Zoll von 3 Euro auf Pakete aus Drittstaaten, die überwiegend online gekauft werden – Kleidung, Spielzeug, Elektronik und andere Konsumgüter bis 150 Euro Warenwert. Berechnet wird pro Warenkategorie: Fünf T-Shirts kosten 3 Euro Zoll, drei T-Shirts und eine Uhr 6 Euro, weil sie unter zwei Zolltarifnummern fallen. Anmelden und zahlen muss der Verkäufer oder Importeur. Die Kommission beschreibt die Regel als Übergangslösung bis zu einer dauerhaften Reform des EU-Zollrechts.
Warum das für den deutschen Markt relevant ist
Die Plattformen aus Asien sind in Deutschland noch klein, aber schnell. Nach bevh-Zahlen wuchsen Shein, Temu und AliExpress 2025 um 27,2 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro und standen für 30 Prozent des gesamten Wachstums im E-Commerce mit Waren; jede 15. Online-Bestellung ging an eine von ihnen. Mehr dazu in unserem Beitrag zu den E-Commerce-Zahlen 2025.
Was sich für Marken ändert – und was nicht
- Die Preislücke bleibt: Bei einem Produkt für 8 Euro sind 3 Euro viel, bei einem Produkt für 60 Euro wenig. Wer gegen Billigplattformen nur über den Preis antritt, gewinnt auch jetzt nicht.
- Lokales Lager wird relativ attraktiver: Wer Ware gebündelt importiert und aus Deutschland versendet, zahlt Zoll einmal auf die Gesamtsendung und liefert schneller.
- Transparenz wird ein Argument: Kunden, die schon einmal an der Haustür nachzahlen mussten, schätzen klare Endpreise, schnelle Lieferung und eine Rücksendeadresse im Inland.
- Wer selbst aus Drittstaaten versendet, muss neu rechnen: Landed Cost pro Produkt und Kategorie prüfen, Zolltarifnummern sauber pflegen, Preise anpassen.
Worauf Marken setzen sollten
Der Zoll ist ein kleiner Baustein. Die großen Hebel sind die alten: eine Marke, der man vertraut, Produktinformationen, die Fehlkäufe verhindern, und ein Service, den eine Plattform aus Fernost nicht bieten kann. Daran arbeiten wir in Markenstrategie und Wachstumsberatung. Wer umgekehrt aus Deutschland in andere Märkte verkaufen will, findet unseren Ansatz unter Internationaler Verkauf.
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